Film Revue (1948 Issue 5/6)

Record Details:

Something wrong or inaccurate about this page? Let us Know!

Thanks for helping us continually improve the quality of the Lantern search engine for all of our users! We have millions of scanned pages, so user reports are incredibly helpful for us to identify places where we can improve and update the metadata.

Please describe the issue below, and click "Submit" to send your comments to our team! If you'd prefer, you can also send us an email to mhdl@commarts.wisc.edu with your comments.




We use Optical Character Recognition (OCR) during our scanning and processing workflow to make the content of each page searchable. You can view the automatically generated text below as well as copy and paste individual pieces of text to quote in your own work.

Text recognition is never 100% accurate. Many parts of the scanned page may not be reflected in the OCR text output, including: images, page layout, certain fonts or handwriting.

= — nen en “ x £ im. Film überhaupt noch Bedeutung beizumessen. Kin + künstlerischen, sondern “auch über den sittlichen Wert oder Unwert eines Films geteilte Auffassungen möglich sind. Sie sind sogar unter grundsäglich Gleichgesinnten möglich. Beispiel: Helmut Käutners Farbfilm „Große Freiheit Nr. 7“. Ein Seemann treibt es hier nach einer Liebesenttäuschung eine Zeitlang in der Tat ein wenig bunt. Am Ende aber erweist er sich doch als eine im Grunde wackere Haut. Er entringt sich dem schwülen Dunstkreis der Hafenanimierkneipen, dem er verfallen schien, und wählt mit ra schem Entschluß wieder die Arbeit und das Meer. Troßdem: Der Film fand in Westdeutschland die einmütige Mißbilligung, ja schärfste Verurteilung kor Willkürliche Filmzensur Von Erwin Goelz fessioneller Kreise. Derselbe Film aber lief jüngst in Lissabon, wo man gewiß nicht weniger gut katholisch ist als in Köln, unangefochten sieben Wochen lang vor ausverkauften Häusern. | | Niemand wird zögern zuzugeben, daß etwa das FilmLustspiel „Sag die Wahrheit“ ein recht läppisches und unzeitgemäßes Erzeugnis ist und daß‘ es zudem eine bedenklich laxe Moral vertritt. Aber nur trübe Weltfremdheit und völlige Unkenntnis der seelischen Verfassung des Kinobesuchers, sollte man meinen, können in einer solchen belanglosen und jeder Verführungskraft entratenden Plattheit eine Attacke auf.den sittlichen Standard. der Allgemeinheit sehen. Und doch hat sich dies in einer Reihe von Orten des Landes Nordrhein-Westfalen als möglich erwiesen. Man hat dort schwerstes ethisches Kaliber gegen diesen Filmspagen in Stellung gebracht. Der Oberbürgermeister einer Goßstadt drohte den Kinobesigern ‚mit dem Boykott der Gläubigen, falls sie es wagen sollten, die diskriminierten Filme in ihren Spielplan aufzunehnien. In andern Orten, wie Rheydt und Paderborn, wurden, teilweise unter Heranziehung von Polizeiverordnungen aus dem Jahre 1833, direkte Verbote ausgesprochen, und an noch andern gingen tatkräftige Mitglieder konfessioneller Jünglingsvereine dazu über, Vorstellungen zu stören und Kassenräume widerspenstiger «Kinos zu demolieren. Die öffentliche Moral wird heute von so vielen tiefer greifenden Mißständen untergraben, daß es fast absurd erscheint, einigen Szenen erotischer Libertinage ‚derreiche Familien, in einem Zimmer vegetierend, müssen halbwüchsige Jungen und Mädchen in einem Bett zusammenschlafen lassen. Heimatlose junge Männer verkommen scharenweise auf dem Schwarzen Markt. Jugendliche, bei Razzien aufgegriffen, werden Wochen und Monate mit Berufsverbrechern zusammengesperrt. Mütter verkuppeln ihre Töchter an Soldaten der Besagungsmächte, un an den Geschenken parti zipieren zu können. Bauern beuten schamlos den. Hunger der Städter aus und häufen Aussteuern für die nächsten fünf Generationen ihrer Töchter an, während hunderttausende von Flüchtlingen kaum ein heiles Hemd auf dem Leibe haben — und hier läuft kein Jünglingsverein Sturm, um für einen gerechten Ausgleich Sorge zu ‘tragen. Muß man die, die sich dazu berufen fühlen, die öffentliche Moral zu hüten, erst darauf aufmerksam machen, daß es gewichtigere und dringendere. Anlässe für ihre Tatkrafı sibt als ausgerechnet zwei oder drei Filme, von denen sie in erster Linie den Zusammenbruch der öffentlichenMoral zu befürchten scheinen? Betrachtet man die Lage realistisch, so muß man erkennen, daß von den sittlichen Geboten des Christentums diejenigen, die der Geschlechterliebe Schranken seen, im Augenblick die allergeringste Aktualität besigen. Ein Volk, das seit Jahren Hunger leidet, brauchi offensichtlich nicht vom Abgrund des Sinnentaumels zurückgerissen zu werden. Diebstahl, Unterschlagung, Bestechung, Betrug, Korruption und die rücksichtslose Ausbeutung der Not des Nädısten, die heute fast jeder an jedem verübt: das sind die gravierenden Sünden dieser Zeit. Auf sie gilt es die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu konzentrieren. Wenn es Menschen gibt, die einen Unterröck als eine Heimsuchung ihrer Phantasie empfinden, so steht es ihnen frei, das Kino zu verlassen. Es steht ihnen aber nicht frei, anderen, die der Unterrock kalt läßt, ihre eigene Anfälligkeit zu unterstellen. Es steht ihnen nicht das Recht zu, die andern zu bevormunden und sie einer moralischen Diktatur zu unterwerfen. Nehwen sie es sich tiroßdem, so sehen wir uns bereits wieder inmitten einer Willkürherrschaft. Niemand im großen Publikum wird es als eine glückliche Entwicklung empfinden, wenn die Unduldsamkeit, die mit soviel weltpolitischem Eklat die Vordertreppe hinuntergeworfen wurde, jekt mit gleichen randalierenden und dökretierenden Methoden über die Hintertreppe wiederkehrt. Ganz. gewiß ist es keine Ent hinter uns haben: Sollten wir es nidit doch noch eine Weile ernsthaft mit ihr versuchen? Sollten wir nicht tolerant sein und jeden selber entscheiden lassen, was er sehen will und was nicht? Das demokratische Forum des Kinos ist seine Kasse. Sie ist nicht zum Zerschlagen, sondern zum Abstimmen da. & "s besteht Finmütigkeit darüber, daß nicht nur über 3 wicklung. -zur.Demokratie. Aber „nach .allem, was wir. A das heißt, Boby Todd, ein ehemaliger „Nachrichter“, hat ihn gerade in der Hand, als wir das Atelier bzw. die dort aufgebaute „Kurstätte Weißenhöhe“ betreten. Und seine Eva steht ihm zur Seite, allerdings nicht mit einem Feigenblatt, sondern mit einem beneidenswert schönen Kleid nach neu Moissi heißt diese Eva. Mit ‘einem Blick, der absolut keine schlangenhafte Verführungs ‚große Liebe verrät, wie sie die Herren der Schöpfung oft gar nicht verdienen, erkundigt sie sich nach dem Urteil des Arztes. Vielleicht wäre Bobby Todd gar nicht so erholungsbedürftig, wenn er es nur mit Eva zu tun hätte. So aber hat ihn Gott auch noch mit einer Lilith geschlagen, ebenso reiz „Schau einmal ganz lieb das Äpfelchen an, das dein Herrchen in der Hand hat,“ scheint Regis 'seur Helmut Käuiner dem kleinsten ‚Star‘ dieses Films zuzureden (Bild oben), während Eva recht schamvoll und schuldbewußt vor sich hinsieht. (Bild Mitte rechts: Bettina Moissi und Bobby Todd) ester Länge bekleidet. Bettina. kunst, sondern eher eine so. ser ons die wie Zei! bauen Sir Leib und Serir neu auf Lttung: Proi. Petri Zweigstelle das Menschenschuiz in der Kurstätie Weissenhöhe reg mit den Trümmern heraus aus den Ruinen Wer häite eine solche Kur nicht einmal nötig? Auch Bobby Todd wird von seinen N beiden Evastöchtern so weit gebracht, dB er dort die legte Rettung sucht ne, Die zweite Evastochter, die den armen Adam umgarnt, ist Joana Maria Gorwin, die bekannte Berliner Schauspielerin, die erstmals vor der Kamera sieht Fotos:Brünjes (3), Camera (2° voll wie Eva und in bezug auf Bohbys Liebe ebenso anspruchsvoll. Joana Maria Gorvin, Berlins berühmte Bühnendara stellerin, hat diese Rolle übernommen. Ä Und sicher wird jeder männliche Filmbesucher einmal zugeben müssen, daß diese beiden schon einen Mann um seinen Verstand bringen könnten. Es ist jedenen falls nicht auszudenken, was mit Bobby s gesciehen würde, wenn der Himmel nicht doch ein Einsehen hätte. So läßt er im a legten Augenblick ein Wunder geshehken und aus Eva und Lilith eine einzige | Elli entstehen — — — Aber so weit ist es noch lange nicht. Außer Bobby und Eva ist heute nur. noch ein vierbeiniger Darsteller beschäf tigt, ein Dackel. Abgesehen davon, daß er den klaren Beweis erbringt, daß sein Regisseur ein großer Tierfreund at, | dürfte ihn mancher Darsteller um die NE Unmutsfalten beneiden, die er mühelos | aneinanderreiht wie eine Plättfrau ihre kleinen Wäschefältchen. | „Der-Apfel-ist--ab“, -der neue Film der. Camera-Filmproduktion, ist unter der Regie Helmut Käutners im April im. ‚Atelier München-Geiselgasteig begonnen worden. Außer den genannten Hauptdarstellern wirken noch Frig Odemar, Willy Maertens, Carl Voscherau und Arno Aßmann mit. AB,