Filmland : deutsche Monatschrift (1924 - 1925)

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Ein Chinesentempel in Macassar steine' gerufen? Wer unter Wilden filmen will, muß eben auch dazu Talent haben, mein Junge!" Das war also in Balik Papan . . . In Weltev reden — bitte: Batavia! Sie finden Weltevreden eher auf der Karte, als das verräterische Bimbonest von Borneo! — dort ergab ich mich heimtückischerweise dem Opiumgenuß. Aber nur einmal. Wir besuchten die Opiumfabrik, die dort staatlicherseits verwaltet wird, und kamen selbstredend auch an der Pfeife nicht vorbei, durch die der herrlichste Genuß aller Sphären vermittelt wird. Wenigstens wurde mir dieser Genuß in Aussicht gestellt. Heiland verzichtete darauf. Loo Holl und ich wollten uns aber diesss lockende Zeichen nicht entgehen lassen, setzten uns erwartungsvoll nieder und fingen an, zu saugen. Es ist an dieser Stelle ohne Belang, zu verraten, welche Zigarettenmarke ich rauche, — ich bin auch davon überzeugt, daß bei meiner Rückkehr nach Deutschland alle früheren Marken, die für mich in Betracht kamen, durch andere, neuere ersetzt sein werden, — aber ich kann das Gefühl des Opiuminhalierens nur mit meinem Genuß beim Rauchen der ersten Zigarette meines Lebens, einer Asti stincante zu y, Pfennig, vergleichen. Anstatt der orientalischen Schwelgereien, die mir garantiert worden waren, erlebte ich den schrecklichsten Seegang von allen meinen ostasiatischen Seereisen: kein Rotes Meer der Erde, kein Indischer Ozean, kein Golf von Busento war stürmischer, als das Meer meiner Seele bei der ersten und einzigen Opiumspitze, Wo waren die versprochenen Schleiertänzerinnen, wo der plötzliche Tod all meiner Feinde, wo mein müheloser Sieg über meine Konkurrentin im Film und auf der Bühne? „Sie werden sein der König dieser Erde!" hatte mir der javanische Werkmeister gesagt, und nun war ich schiffbrüchig von Anfang bis Ende! Weltevreden stand in großen Lettern auf dem Stationsschild. Zu deutsch etwa: „Klotzig zufrieden" . . ., wenigstens verdolmetschte ich mir das so. Und nun lag ich hilfloser als in meinem ersten Lebensmonat auf der Matte und äugle hinüber zu Loo Holl, der ich ein ähnliches Schicksal wünschte, um mich an der Gemeinsamkeit des Unglücks wieder aufrichten zu können. Aber nichts dergleichen geschah: nach einer halben Stunde, vielleicht dauerte es nicht einmal so lange, erhob sich Loo Holl leichtfüßig von den Kissen, sah mich mit einem weichen Blick und schwebte hinaus. Erst acht Tage darauf, wir waren schon auf dem Wege nach Soerabaja, kam ich auf das Phänomen zurück: „Wie hast du das neulich in Weltevreden bloß fertiggebracht, Loo, daß die Opiumpfeife dir nichts anhaben konnte?" fragte ich. Und sie — leichthin, sorgenlos wie immer — lächelte. „Man muß dazu eben Talent haben", sagte sie. Dazu? Hm, ich habe nie herausbekommen, wie sie's gemacht hat. Aber, wenn ich mir's so recht überdenke, gesehen, daß sie den Rauch inhalierte, habe ich eigentlich nicht . . . 17