Filmland : deutsche Monatschrift (1924 - 1925)

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■machen ihn zu einem der interessantesten Erzähler, über die die Menschheit überhaupt verfügt. Von den älteren Büchern, die sich bereits einen geachteten Namen in der Literatur erworben haben, liegt eine Neuauflage des schönen Max Eythschen Werkes „Hinter Pflug und Schraubstock" vor, von jenem Buche, das, wie die Wiener „Zeit" einmal mit Recht schrieb, „zum ersten Mal die Poesie der modernen Technik aus der Praxis schildert". Wir haben, seitdem Eyth gewissermaßen die Technik für die Poesie entdeckte, viele Dichtungen ähnlicher und auch unwirklicherer Art kennen gelernt, aber kaum je hat nachher ein Mann des Schraubstockes gleich eindringlich das Wirkliche zu schildern — und gleichzeitig doch auch politische Streiflichter hineinzuweben verstanden. Es ist bekannt, daß Eyth sich als Vertreter des Fowlerschen Dampfpfluges in landwirtschaftlich wenig erschlossenen Gebieten aufhielt, dem Ruhm dieses Buches ist also nichts Wertsteigerndes hinzuzufügen; wohl aber darf der Genugtuung darüber Ausdruck gegeben werden, daß im deutschen Volke noch immer so viel Sinn für die wirtschaftlichen Pioniere vom Schlage Eyths lebendig ist, daß die „Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart-Berlin", eine Neuauflage des Buches unternehmen konnte. Und noch ein hübsches Bändchen liegt vor mir: Victor A u b ti r 1 1 n, „Nach D e 1 p h i". Der Verlag Albert Langen in München hat das Büchlein herausgebracht in dem festen Glauben, daß eine Fahrt ins gelobte Land der deutschen Seele, ins Griechentum, so recht nach dem Herzen des Gebildeten bei uns beschaffen ist. Keine „empfindsame Reise", oder doch eine, aber nur für empfindliche Herzen so erkennbar. Aeußerlich — klugäugig, skeptisch, witzig, ohne jedes Pathos, lieber zu wenig als zu viel sagend, und doch oft so vielsagend, wenn er wenig sagt, dieser Victor Auburtin! Voller Wahrheit, keine anderen Götter über sich erkennend als das eigene Gefühl, vermag er es nicht, dieses Gefühl irgendeinmal zurecht zu biegen, gesteht er es ruhig, wenn auch mit einem Stich im Herzen, daß zwischen den Säulen des Parthenontempels der Schauer ausblieb, den er erwartet hatte. Denn bei all ihrer Schönheit: sie sind so kühl und still. Auburtin weiß, warum diese Stätten der Menschenseele heilig sind und ewig heilig bleiben werden, nicht, weil da Kriege verloren oder gewonnen wurden Kriege wurden immer und überall verloren oder gewonnen, nicht weil List, Rache, Verrat und Mord spielten, wie überall und immerdar, sondern weil der Genius des Künstlers diese Geschehnisse in das geheimnisvolle Licht der Ewigkeit getaucht hat; weil Städte und Staaten zerfallen, Kunst aber ewig ist. — Ein Buch, bei dem man oft herzlich und plötzlich lachen kann; Auburtin versteht es, einem unversehens die witzigste Anspielung zu versetzen, ein Buch, bei dem einem scheusehnsücht'g wird, sich auch einmal, ganz tief allein ins Gestrüpp lang zu legen und auf die Sprache der Kastalischen Quelle zu lauschen, bis man an der warmen Brust von Hellas einschläft. 103