Licthbild-Bühne (June 1912)

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Seite 10 L • B ■ B No. 23 im alten Sinne hat sich ja überlebt! Gesteht es doch ein! Alle die ihr im Theaterleben tätig seid, wißt, daß das alte Theater dem Tode verfallen ist. Wir brauchen: Sehr wenige kleine Schauspielhäuser mit sehr hohen Preisen, wo sich alle geistigen Exzentrizitäten austoben können, ein zensurfreies Theater für die Gour¬ mets. Wir brauchen große schöne Volksfestspielhäuser, in denen für billiges Geld dem Volke große Kunst geboten wird. Hier ist die Aufgabe, wo sich Künstler mit den Gewerkschaften zu¬ sammentun müßten, die freien Volks¬ bühnen bedeuten den Anlauf dazu. Mehr und mehr werden sie die jetzt üblichen Theatergeschäfte zerschmettern. Und drittens wird alle die kleinen Schmieren alle die bösen häßlichen Kunstinstitute der Kino vernichten - dem Himmel sei Preis und Dank. Es wird möglich werden, in Verbindung mit dem Grammo¬ phon dem Volke den Abglanz guter Kunstwerke zu vermitteln, es wird mög¬ lich sein, die Zeit widerzuspiegeln, wie es der Dichter ja kaum mehr kann. Und es wird gut sein, dem Volke nicht etwa pädagogisch zu kommen, denn dazu ist es zu gesund, dann bleibt es fort. Künstler, die naive Freude an der Bunt¬ heit des Daseins haben, sind berufen dazu. Und darum, laßt den Kine- matographen nicht in die Hände des Staates fallen, gründet Privatgesell¬ schaften, zieht die Städte heran, und vor allem begreife die Presse, daß zu ihren Pflichten richtige Verwendung des Kinematographen gehört. Große Zeitungen sollten sich zusammentun, sollten ihre Films austauschen, sollten ihren Lesern plastische Bildern ver¬ mitteln. So könnte das große Zeit¬ alter der Presse kommen.“ * * * Ernst Heilborn: „Unter den zahllosen Films, die ich gesehen, hat sich einer meinem Gedächtnis eingeprägt. Ein Umzug von einer Wohnung in die andere wurde dargestellt, doch so, daß nir¬ gends eine menschliche Hand zugriff. Der pferdelose Möbelwagen rollte vor das Haus, die Türen des Gefährts sprangen auf, die schweren Stücke der Zimmereinrichtung glitten selbsttätig, doch behutsam auf die Straße. Sie rutschten die Treppe empor. Sie glitten durch die Zimmer, bis sie ihren Platz gefunden hatten. Vor die Schränke stellten sich die gefüllten Körbe. Der Deckel klappte auf. Nun flogen die Wäschestücke, Porzellan und Gläser automatisch an ihren Platz. Es war da ein offenbar noch sehr junger, unerfahrener Tisch. Er irrte hilflos durch die Zimmer. Er kam schließlich bettelnd zu einem Schrank, der denn auch ein Einsehen hatte und ihm eine Decke herausgab. Der Tisch wanderte aber ruhelos weiter, bis sich eine Lampe entschloß, auf ihm Platz zu nehmen. Nun schien er befriedigt und stellte sich gehorsam neben das Bett Dieser Film scheint mir wegweisend für die Kinemato¬ graphie. Sie wird aufhören, Dramen zu spielen. Sie wird sich auf die Wir¬ kungen besinnen und sie entwickeln, die ihrer Technik als solcher gegeben sind. Darum, weil wir eben erst in den Anfängen der Kinematographie stehen, scheint mir ein Vergleich zwischen Bühne und Kino unzutreffend. Es heißt das, ein Kind in Parallele zu einem Mann in den „besten“ Jahren stellen. Der Vergleich scheint mir aber auch unzulässig, denn die Bühne will Kunst, der Kinematograph will Technik vermitteln. .Es^war vorangeschickt worden, daß ich die Aufführung von Dramen für einen Irrweg der Kinematographie er¬ achte. Aber gerade für uns, die wir der Bühne ein immerwährendes Stu¬ dium widmen, sind diese Dramenauf¬ führungen von höchstem Wert. Der kinematographische Darsteller ist nur auf sein Mienen- und Gestenspiel an¬ gewiesen, jede Wirkung muß er hieraus zu schöpfen trachten : das hat zunächst zu grotesken und brutalen Uebertrei- bungen geführt, man sieht aber heute schon, namentlich auf französischen Films, Leistungen, die ganz dezent, ganz keusch sind, und dabei starke Ausdrucksfähigkeit aufweisen. Hier wird von dem Darsteller höchste Selbst¬ zucht erfordert; hier wird dem Zu¬ schauer ein Material geboten, an dem er unablässig lernen kann. Zumal der schnelle Wechsel der Films in rascher Folge französische, deutsche, englische, italienische Darsteller ruft. Das Kino¬ theater ist bereits eine Art Bühnen¬ schule .“ * * * Helene Lange: „Bei einer Diskussion über Wert und Unwert des Kino wird man unter¬ scheiden müssen zwischen dem Kino als technischen Reproduktionsapparat und dem Kino als Schauspielfabrikant. Alle Vorzüge beruhen auf der ersten, alle Verderblichkeiten auf der zweiten Eigenschaft. Denn an sich, als tech¬ nische Erfindung, könnte man den Kinematographen der Buchdruckerkunst an die Seite stellen, die dem Auge alle fremden Welten erschließt. Und ist es nicht schön, daß das abstrakte Wort nun von der Anschauung er¬ gänzt und zum Teil abgelöst werden kann? Soll man nicht die Hoffnung daran knüpfen, daß wir von Buch¬ stabenmenschen wieder mehr Augen¬ menschen werden? Man könnte allen agga PLANIAWERKE Aktien-Gesellschaft für Kohlenfabrikation Neue Adresse: Permpr. Ami Zeotrum 11586 n. 11587 BERLIN NW. 7, Dorotheenstraße 30 Feraspr Ami Zentrum 11586 u. 11587 — ' Spezial-Kohlenstifte ■ =— ' für » » Kinematographen und Effektbeleuchtung. « « ondor-Film Ges. m. b. H. BERLIN SW. 48, Friedrichstraße 235 Telefon Nollondorf 450. oi oi oi Telegramme Kondorfilm. Wirkliche Sorgenbrecher sind unsere gemischten Programme mit Schlager. » Sie madien den Preis - wir tun den Rest. «